Neuer Chef der Münchner Sicherheitskonferenz

Seit mehr als 13 Jahren führt Wolfgang Ischinger die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Jetzt ist Schluss.

„Es muss jetzt die nächste Generation ran“, sagt der 75-jährige Diplomat im Handelsblatt-Interview und kündigt die Stabübergabe an den früheren Merkel-Berater Christoph Heusgen an. „Meine Frau sagte vor einiger Zeit, ich solle aufhören, bevor das jemand schreibt“, erzählt Ischinger. „Ich habe gefragt, wann das wohl passieren würde. Und sie sagte: ‚Bald.‘“

Der MSC-Chef rechnet zwar „noch“ nicht mit einem Einmarsch Russlands in der Ukraine, rät dem Westen und der künftigen Bundesregierung aber zu einer Politik der Stärke gegenüber Moskau. An einen Kurswechsel der Ampel in der China-Politik glaubt Ischinger dagegen nicht: „Der Koalitionsvertrag ist aus meiner Sicht keine Kampfansage an Peking, und Olaf Scholz kann und wird keinen Bruch mit China anstreben.“ Vor einer völlig neuen Frage stehe die deutsche Außenpolitik dagegen im Verhältnis zu Amerika: „Gibt es etwas, das wir tun oder lassen sollten, um zu verhindern, dass ein neuer Trump in den USA an die Macht kommt?“, fragt Ischinger und warnt: „Sollte Biden die nächste Wahl verlieren, müssen wir uns dann fragen lassen, ob wir ihn genug unterstützt haben?“

Der studierte Jurist startete seine diplomatische Karriere 1973 im Sekretariat der Vereinten Nationen in New York. Es folgten Wechsel zurück nach Bonn, dann nach Paris und schließlich wurde Ischinger 1995 Leiter der Politischen Abteilung im Auswärtigen Amt. Der frühere Bundesaußenminister Joschka Fischer machte ihn 1998 zum Staatssekretär. Von 2001 bis 2006 war Ischinger Botschafter in Washington, danach ging er für zwei Jahre als Botschafter nach London. Später folgten noch Stationen bei der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

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