Wirtschaftsweise Schnitzer: Fatale Abhängigkeit von Autoindustrie

Die neue Wirtschaftsweise Monika Schnitzer warnt vor einer Fehlkonstruktion der wirtschaftlichen Hilfen der Bundesregierung.

„Die größte Gefahr eines falsch konzipierten Konjunkturprogramms besteht darin, dass es den notwendigen Strukturwandel aufhält“, sagte die Münchner Professorin der WirtschaftsWoche. Deshalb lehnt Schnitzer eine Kaufprämie für Autos entschieden ab: „Die ist aus so vielen Gründen falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.“ Eine entsprechende Prämie verzögere nicht nur den überfälligen Strukturwandel der Branche, sondern sei auch ineffektiv. Außerdem bräuchten die Autobauer angesichts hoher Rücklagen keine Hilfen: „Wollen wir Selbständigen wirklich sagen ‚Sorry, Ihr müsst von Euren Ersparnissen leben, weil wir das Steuergeld für die Autoindustrie brauchen, damit die weiter Dividenden ausschütten kann?‘“
Schnitzer forderte, die Abhängigkeit von der Autoindustrie zu reduzieren: „Sie macht uns in gewisser Weise erpressbar, und das ist fatal.“
Nach der Finanzkrise habe Deutschland es verpasst, so viel in die Zukunft zu investieren, wie es notwendig gewesen wäre, sagte Schnitzer der WirtschaftsWoche weiter. Dass Deutschland trotzdem sehr gut durch diese Zeit gekommen sei, habe viele Gründe wie niedrige Zinsen und boomende Absatzmärkte in China und den USA. Die Deutschen sollten aber „nicht naiv sein und glauben, das wird schon alles irgendwie so weitergehen“.
Die Wirtschaftsweisen plädieren in der Diskussion um ein Konjunkturpaket unter anderem dafür, den Steuerverlustrücktrag und -vortrag deutlich ausweiten, weil davon alle Branchen profitierten. Außerdem sollen ihrer Meinung nach die Stromsteuer und die EEG-Umlage gesenkt werden.

2 Kommentare

  1. Große Unternehmen sind wirklich wichtig für die Wirtschaft, aber die Regierung sollte die kleinen Unternehmen und Selbständigen nicht vergessen. Das Geld der Steuerzahler sollte gleichmäßig verteilt werden und nicht vollständig an große Unternehmen wie Autohersteller gehen.

  2. Hahahaha Abhängigkeit? Uh… wo denken die hin. Oder erklärt sich damit die Lobbystärke der Automobilhersteller? Noch stärker ist nur die Landwirtschaftslobby (man will es fast nicht glauben). Fakt ist aber, das Steueraufkommen generiert der Mittelstand als Rückgrat unserer Volkswirtschaft und nicht irgendein verschachtelter Konzern, der zu besteuerndes Geld so lange wandern lässt, bis es auf einer Insel – die das Finanzamt nicht im Atlas findet – bei einer Briefkastenfirma liegt.

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